Waffentechnik

Nahkampf

Kampfmesser und Dolche sind seit Jahrhunderten die Begleiter eines jeden Soldaten und auch der Vorstoß ins All hat daran nichts geändert. Waren sie früher noch ein letzter Ausweg bei unfreiwilligen Nahkämpfen oder Werkzeug zum leisen Töten, hat sich ihre Bedeutung durch den Wandel der Kriegstechnologie verändert. Insbesondere die Verwendung von schwerer Körperpanzerung und Energieschilden führte zu einer Renaissance der Nahkampfwaffen und ihrer Kampfkünste.
Für den Kampf im All erfreuen sich insbesondere Klingenwaffen von der Größe antiker Kurzschwerter größter Beliebtheit, da diese Reichweite und Schaden bei kompakter Größe vereinigen, die Möglichkeit zur Waffenparade bieten und sich trotzdem platzsparend am Oberschenkel transportieren lassen. Ziel war zunächst die Schwachstellen der gegnerischen Panzerung, vor allem die Gelenke, zu perforieren, was zu Druckverlust im Raumanzug zu führte.
Technische Fortschritte ermöglichten weiterhin nicht nur widerstandsfähigere oder leichtere Waffen: Die Entwicklung monomolekularer Klingen erhöhte die Durchschlagskraft soweit, dass Nahkampfwaffen zu einer brauchbaren Alternative zu panzerbrechenden Geschossen wurden, vorausgesetzt die Entfernung zum Gegner ließ sich schnell genug überwinden. Vor dem Fall tauchten Prototypen mit sogenannten Resonatoren auf, die die Klinge in Mikrovibrationen versetzten, sodass sie sich mit ihren Monoklingen durch Panzerung wie durch Butter schneiden konnten. Es ist unklar, ob solche “Panzerstecher” den Fall überdauert haben.
Die Renaissance des Nahkampfs äußerte sich darüber hinaus in einem weiteren Phänomen: Offiziere aller menschlichen Kriegsparteien begannen, durch Energieschilde geschützt, zunehmend auf schwere Rüstung und Bewaffnung zu verzichten und, mit unmodifizierten Säbeln und Schwertern ausgestattet, die Offiziere der Gegenseite zu (meist ehrenhaften) Duellen zu fordern – sei es, um das eigene Ego zu pflegen, oder das Leben der Truppen zu schonen.

Konventionelle Feuerwaffen

Im militärischen Bereich konzentrierte sich die technische Entwicklung vor allem auf die Optimierung von Sturmgewehren, SMGs und Maschinengewehren, und deren Erweiterung mit zusätzlichen Funktionen, während die anderen Waffengattungen zunehmend in den zivilen oder illegalen Bereich abgedrängt, oder durch modernere Technologien ersetzt wurden.
Hervorzuheben sind dabei die kompakter gewordenen Sturmgewehre nach Vorbild des antiken FN F2000 (analog die FN P90 bei den SMGs), welche durch ihre Bullpup-Bauweise und Hinzufügen von Granatwerfern und Zielcomputern, Durchschlagskraft mit hoher Präzision und leichter Transportierbarkeit vereinigten; letzteres war vor allem für Fahrzeugbesatzungen und Insassen überaus wertvoll. Inbesondere die EDP legte Wert darauf ihre menschlichen Fronttruppen mit diesen flexibel einsetzbaren Waffen auszustatten.
Auch (Schnellfeuer-)Maschinengewehre blieben erhalten, um den Truppen die Möglichkeit eines Unterdrückungsfeuers zu geben – gleichzeitig wurde offenbar, dass es MGs in der Lage waren Energieschilde zu überlasten und deren Träger so verwundbar machten. Die Liga der Freien Welten entwickelte in der Folge (von Cyborgs) tragbare, mehrläufige MGs nach Gatling-Bauweise, um so den feindlichen Energieschilden Herr zu werden. Manche dieser Waffen feuern so schnell, dass die einzelnen (glühenden) Projektile für einen Betrachter wie ein kontinuierlicher Strahl wirken – diese Waffen wurden umgangssprachlich von den Truppen als “Bleistrahler” bezeichnet.
Im zivilen Sektor etablierten sich insbesondere Pistolen und (halbautomatische) Jagdwaffen, Polizeikräfte nutzten darüber hinaus auch Schrotflinten gegen ungepanzerte Ziele. Berüchtigt war die vollautomatische Streetsweeper-VIII, welche zwar schnell verboten wurde, aber von Zeit zu Zeit immer wieder auf dem Schwarzmarkt auftauchte.
Auf letzterem gibt es darüber hinaus auch die Möglichkeit noch an alte, aussortierte Waffen zu gelangen – unter anderem die legendäre, unzerstörbare AK-2274.
Fahrzeuge nutzten in der Regel angepasste Maschinengewehr-/Gatling-Varianten.

Pro: (Je nach Qualität) leicht verfügbar; MGs können Schilde überlasten
Con: mangelnde Durchschlagskraft gegen schwere Panzerung und Schilde

Schwere Waffen

Schwere Waffen bezieht sich in diesem Fall auf Geräte mit Flächenwirkung oder anderen möglichen Nebeneffekten, die in der Regel zur Unterstüzung der eigentlichen Waffengattungen eingesetzt werden: z.B. Raketen-, Granat- oder Flammenwerfer. Diese waren nur beim Militär oder bei sehr gut sortierten Schwarzmärkten erhältlich, dafür aber in der Lage Truppenansammlungen, Fahrzeuge und Gebäude effektiv zu bekämpfen.
Vor allem Fahrzeuge wurden mit diesen Waffen ausgestattet, weil sie die Nachteile solcher Waffen leichter kompensieren konnten, als Fußtruppen.

Pro: Flächenwirkung; hoher Schaden
Con: Friendly Fire; langsame Schussfrequenz; lange Nachladezeiten; teure Munition; schwer

Elektromagnetische Projektilwaffen

EM-Waffen nutzen elektromagnetische Kräfte um ein Projektil ohne Treibladung auf eine höhere Geschwindigkeit zu beschleunigen, als konventionelle Feuerwaffen. Dabei unterscheidet man zwischen Varianten, die Schienen (Railgun / Schienenkanone) oder Spulen (Coilgun /Gaußkanone) zum Beschleunigen des Geschosses verwenden. Beiden Versionen ist gemein, dass sie einen hohen Energiebedarf haben, der mittels leistungsstarker Kondensatoren gedeckt werden muss. Weiterhin stellten die ausgefeilte Steuerelektronik und der Verschleiß der Schienen bei der Entwicklung tragbarer Varianten dieser Waffen Herausforderungen dar. Durch die hohe Geschwindigkeit des Projektlis wird die Luft so stark verdrängt, dass sie sich entzündet und das Geschoss scheinbar mit einem Feuerschweif und unter intensiver Rauchentwicklung fliegt. Die allermeisten Panzerungen werden bei einem Treffer schlicht durchbrochen,
Das Auftauchen der schwergepanzerten Cyborg-Schocktruppen der Liga veranlasste die EDP ihre Ressourcen auf die Entwicklung eines Railgun-Prototypen zu fokussieren. Mit Erfolg: Nach zahlreichen verlustreichen Schlachten, konnten die Liga-Truppen aufgehalten und zurückgeschlagen werden. Es dauerte Jahre, bis die Liga mit der Coilgun eine eigene EM-Waffe aufbieten konnte, wenngleich diese sich letztlich dann als Scharfschützenwaffe etablierte und so auch bei dem EDP Verwendung fand.
Frühe Varianten der Railgun (die auch heute noch auffindbar sind) verwendeten ein spezielles Nachladesystem, bei dem der Munitionsbehälter mitsamt Batterie, sowie die verschlissenen Schienen ausgetauscht wurden. Die Haltbarkeit moderner Schienen genügte schließlich, um einen kompletten Einsatz durchzustehen, diese Waffen dürften nach dem Fall aber noch seltener geworden sein. Einige dieser Railguns verfügten auch über einen experimentellen 3-Schuß-Feuerstoß.
Eine vor dem Fall zunehmend verbreitete Version war der Bolter, eine Railgun von der Größe einer Maschinenpistole, deren Magazin Projektile, Batterie und Schiene enthielt und so eine leicht bedienbare, panzerbrechende Waffe mit Feuerstoß-Fähigkeit für Häuserkämpfe darstellte.
Fahrzeuge waren früher klassischer Nutzer dieser Waffen, bevor diese auch für Infanteristen nutzbar wurden.

Pro: Panzerbrechend; hoher Schaden; hohe Reichweite
Con: teuer; langsame Schussfrequenz; teure Munition; wartungsintensiv

Energiewaffen

Unter dem Begriff Energiewaffen werden Schusswaffen zusammengefasst, die kein Projektil nutzen, mit dessen kinetischer Energie Schaden verursacht werden soll. Diese hochmodernen und teilweise experimentellen Waffen lassen sich in drei Untergruppen einteilen:

  • Laserwaffen: Energie wird mittels eines intensiven, gebündelten, monochromatischen Lichtstrahls auf das Ziel übertragen. Potentiell ist die übertragbare Energie unbegrenzt, jedoch abhängig vom verwendeten Lasermedium, meistens ein Gasgemisch, das zur Erzeugung des Strahls dient. Dieses Lasermedium ist, neben der Batterie, der begrenzende Faktor dieser Waffen, und ausgeworfene Magazine erfordern bisweilen auch eine gesonderte Entsorgung nach einem Einsatz um eine unerwünschte Kontamination des Schlachtfelds zu vermeiden (z.B. bei He-Cd-Lasern).
    Ein Laserstrahl kann, mit genug Zeit und Energie, jedes Material durchschneiden oder einschmelzen, ungeachtet von kinetischen Energieschilden. Da es keinen Rückstoß gibt, ist die Präzision größer als bei jeder Scharfschützenwaffe, vorausgesetzt, die Waffe ist in einwandfreiem Zustand. Laserstrahlen sind für das menschliche Auge in der Regel unsichtbar. Allerdings kann der Strahl durch freischwebende Partikel, wie z.B. Nebel oder Rauch zerstreut und so wirkungslos gemacht werden. Ihre maximale Effektivität erreichen diese Waffen daher im All.
    Die Konklave entwickelte als erste tragbare Hochleistungslaser mit einem neuartigen biochemischen Lasermedium, und nutzte diesen zunächst als Spezialwerkzeug im Orbit. Erst im Krieg wurden diese Modelle zu Waffen umfuntioniert. Obwohl die anderen Kriegsparteien diese Technologie schnell als Spezialwaffe übernahmen, wurde sie erst durch die KI als Kriegswaffe optimiert: KI-Schiffe der “Ripper”-Klasse (eine menschliche Bezeichnung) verwendeten zwei Hochleistungslaser, mit denen sie gegnerische Schiffe Stück für Stück auseinanderschnitten. Auch Landfahrzeuge verwendeten Laser als unterstützende Waffe, um sich den Weg durch Barrieren freizuschneiden.
    Laserwaffen stellen nach dem Fall eine seltene Kostbarkeit dar.

Pro: Panzerbrechend; ignorieren Schilde; hohe Präzision
Con: teuer; teure Munition; wartungsintensiv; können durch Rauch/Nebel zerstreut werden

  • Plasmawaffen: Hierbei wird ein Stoffgemisch innerhalb der Waffe so hoch erhitzt, dass dieses ein Plasma bildet, und dieses anschließend mittels elektromagnetischer Beschleunigung auf ein Ziel abgefeuert. Solche Plasmabälle schmelzen große Teile des Aufschlaggebiets und werden sie von Energieschilden abgelenkt, nimmt das Ziel durch die dabei freiwerdende Hitze trotzdem beträchtliche Schäden. Nachteilig ist der große Energieverbrauch, sowie die Wartungsintensität der Waffe.
    Plasmawerfer wurden ursprünglich von der Liga entworfen, als sie einen Weg suchte um mit neuen Massen von EDP-Kampfrobotern umzugehen. Auf Basis der Coilgun entstand so eine Waffe mit Flächenwirkung, welche mit der Zeit auch von den anderen Kriegsparteien als schwere Unterstützungswaffe übernommen wurde.

Pro: Flächenwirkung; hoher Schaden; ignorieren Schilde; ignorieren Panzerung
Con: Friendly Fire; langsame Schussfrequenz; teuer; wartungsintensiv; schwer

  • Schallwaffen: Obwohl bereits seit langer Zeit Waffen auf Schall- oder Mikrowellenbasis verwendeten wurden, um einen Gegner (nicht-tödlich) kampfunfähig zu machen, wurden Schallwaffen erst in den Jahren vor dem Fall zu einem Faktor auf dem Schlachtfeld.
    In modernen Diskotheken wurden bereits gerichtete Ultraschalllautsprecher eingesetzt, mit denen Musik beliebiger Lautstärke in einem eng begrenzten Bereich ausgestrahlt werden konnte. Die Schallwellen wurden erst nach einigen Metern hörbar. Die diesem System zugrundeliegende Technik stammte ursprünglich vom Militär der EDP, wo sie als Nicht-Tödliche-Waffe eingesetzt wurde.
    Je nach eingestellter Intensität, verschießt eine Schallwaffe gerichtete Schallwellen in einem frei einzustellenden Frequenzspektrum. Die Wirkung auf das Opfer reicht von Orientierungslösigkeit, über reißende Trommelfelle und Hörverlust, bis hin zum Aufplatzen der Lungenbläschen.
    Schallwaffen waren schon vor dem Fall selten, gefürchtet sind aus dem letzten Krieg jedoch noch immer die “Kreischer”, Terror-Einheiten der KI, die serienmäßig mit einem Schallemitter ausgestattet waren und die Menschen mit einem hochfrequenten Kreischton in den Wahnsinn und aus der Deckung trieben, bevor diese dann mit einer Minigun niedergemäht wurden.
    Naturgemäß bieten Energieschilde keinerlei Schutz und Panzerungen erfordern spezielle Modifikationen um Schutz zu liefern.

Pro: Spezialeffekte; Flächenwirkung; ignorieren Schilde
Con: Friendly Fire; teuer; wartungsintensiv

Massenvernichtungswaffen

Die menschliche Kreativität im Töten von Artgenossen ist scheinbar grenzenlos und so wurden zahlreiche Waffen entwickelt, die ohne Rücksicht auf Verluste, große Gebiete verwüsten und ganze Völker auslöschen können. Diese lassen sich grob in einem erweiterten ABCD-Modell kategorisieren:

  • Atomare Waffen: Atombomben, Wasserstoffbomben, Fusionsbomben, die eine riesige Explosion erzeugen, deren Hitze, Druckwelle und radioaktive Strahlung ganze Landstriche verwüsten. Neutronenbomben, die mit ihrer Strahlung alle Lebewesen im Umkreis töten. EMP-Bomben (eigentlich ein Nebeneffekt der anderen Bomben) die sämtliche elektronischen Geräte im Umkreis zerstören.
  • Biologische Waffen: Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze oder Viren, die eine Bevölkerung befallen und über kurz oder lang auslöschen, sei es durch akute Krankheiten oder andere Nebenwirkungen. Manche Mitglieder des EDP bezeichneten bisweilen auch die Wendigo als Biologische Waffen.
  • Chemische Waffen: Eine sehr breite Kategorie, für gewöhnlich sind damit diverse auffällige oder subtile Giftgase gemeint, wie z.B. Senfgas, Chlorgas, Phosgen und andere experimentelle Stoffe.
  • Dimensionswaffen: Waffen, die die Grenze zwischen Spiegellabyrinth und Normalraum aufreißen können. Bislang wurde nur ein einziger Dimensionsreißer in der Menschheitsgeschichte gezündet, mit schrecklichen Folgen.

Weiterhin können auch Naniten als Waffe eingesetzt werden, indem sie ohne Sicherheitsprotokolle in einem Gebiet ausgesetzt werden und sämtliche vorhandene Materie, auch lebende, in weitere Naniten umwandeln.

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