The Stars have fallen

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Flucht von Meridas III

Flucht von Meridas III

Nachdem die Scavenger die bevorstehende Hungerkrise in New Hope bewältigten, indem sie den Proviant und das dazugehörige Equipment der terranischen Expeditionsflotte sicherten, bereiteten sie die Verteidigung gegen den zu erwartenden Angriff vor.

Sie entschlossen sich, die Celestial Tear im Feld der Tränen zu tarnen, um die Flotte der Terranischen Allianz aus dem Hinterhalt anzugreifen. Gleichzeitig bereiteten sie eines der Wracks darauf vor, von den Terranern geborgen zu werden, und stationierten die Wendigo unter Führung von Cato Aquila Sixtus auf dem ehemaligen Kanonenboot Escrima. Sie würden bei einer Bergungsaktion das feindliche Schiff entern und von innen heraus aufreiben. Weiterhin ließ Cato die alte Kriegsrüstung seines Vaters endgültig reparieren.

Schließlich traf die Angriffsflotte der Terraner ein: Die Esmeralda, ein Frachter der Novatec-Baureihe Cargolifter in einer Passagiervariante. Sie wurde eskortiert vom zweitgrößten Kriegsschiff der Erdlinge, dem Kreuzer Redeemer, sowie dem Kanonenboot Dvorak.

Bethany Ivanova konnte die Sensor-Signale, gemeinsam mit der Erfahrung von Felix Schleicher, auswerten und die angreifenden Schiffe bestimmen. Auch fielen ihr seltsame Energiesignaturen von der Planetenoberfläche auf, die wohl von der Polarregion stammen könnten – möglicherweise war zuvor das dortige Spiegeltor benutzt worden. War es vielleicht eine dritte Fraktion? Schicksalhafterweise konnte Betty die weiteren Signale, die aus dem Planetenschatten kamen, nicht erkennen.

Die Redeemer begann, wie vorhergesehen, mit der Bergung der Escrima und die Wendigos überfielen das Schiff, während 鏡像 (JìngXiàng) Morales das Feuer auf die kleinere Dvorak eröffnete.

Die Terraner wurden massiv überrascht. Die Dvorak musste schwere Schäden hinnehmen, während die Besatzung der Redeemer erste Verluste an der Besatzung erlitt. Die Esmeralda setzte ihren Weg zur Planetenoberfläche unbeirrt fort, während die Kriegsschiffe nun wiederum die Celestial Tear Ins Visier nahmen und das Feuer eröffneten. Nur der auf Maximum laufenden Tarnvorrichtung, sowie den Flugkünsten von Felix Schleicher war es zu verdanken, dass keine der massiven Railgun-Breitseiten der Redeemer die Fregatte der Scavenger traf. Der Transzendent Celestial Tear musste Felix jedoch mehrmals auf dessen stark angestiegenen Puls hinweisen.

Im weiteren Verlauf der Kämpfe wurde die Dvorak restlos zerstört, während die Wendigo auf der Redeemer ein Blutbad anrichteten, aber vor der Brücke auf ernsthaften Widerstand stießen. In diesem Augenblick erkannte Betty ihren Fehler bei der Analyse der Sensordaten:

Am Planetenhorizont tauchten zwei KI-gesteuerte Zerstörer auf, die wegen ihrer schiffszerschneidenden Laser nur als Ripper berüchtigt waren, und setzten schon bald ihre Schwärme an Kampfdrohnen aus, die auf das Kampfgebiet zurasten. Die Scavenger bemühten sich notgedrungen um eine Not-Allianz mit den Terranern, doch forderten diese mit relativer Gelassenheit den Rückzug der Wendigo.

Ein Aufklärung der Situation war nicht in Sicht und als die KI-Schiffe das Feuer auf die Celestial Tear eröffneten und die Terraner dabei aussparten, beschlossen die Meridianer zu fliehen. Die Wendigo kaperten ein Shuttle und in einem halsbrecherischen Manöver wurden sie im Hangar der CT eingefangen. Unter Feuer durch die KI, bei der es sich wohl um Beholder oder Helios handeln musste, da die anderen Systeme nicht ins Schema passten, flohen die Scavenger zum nächsten Spiegeltor und verschwanden in den Rauchenden Spiegel.

Flug durch Eridanus

Nach einer kurzen Phase des Sammels, überdachten die Scavenger ihre Optionen und beschlossen zur Erde zu fliegen. Dazu wollten sie den Weg nutzen, den die Celestial Tear bereits auf ihrer Flucht von dort genommen hatte: Durch den Spiegelriss im Eridanus-System.

Die dortige Anomalie, ein Riss der die Grenze zwischen Realität und Spiegelraum überwand, war im Letzten Krieg durch den einzigen Einsatz einer Dimensionswaffe entstanden. Und erlaubte so eine unerkannte Verbindung zwischen Eridanus und Sol. Dieser Riss wirkte stets wie eine Ebene, egal aus welcher Richtung man sich annäherte, sie strahlte ein diffuses Licht aus, das aus dem Nichts zu kommen schien. Der Riss war unwirklich. Unnatürlich.

Und doch steuerten die Scavenger zielgerichtet hinein, weil es ihre einzige Hoffnung war unerkannt zur Erde zu gelangen. Sie ließen das von Trümmern übersähte Eridanus-System hinter sich, nervös durch die dortige Abwesenheit jeglichen natürlichen Lebens, und das stetige Rauschen einer Audio-Ausstrahlung. Eine Live-Übertragung einer weiblichen, gebrochenen Stimme, die stets “Wo sind meine Kinder? Ich muss meine Kinder schützen…” wimmerte, deren Quelle sie nicht orten konnten.
Viele der Trümmer trugen die Aufschrift Phalanx.

Terra

Und schließlich… Terra. Die Wiege der Menschheit. Die kleine, blaue Murmel. Ein seltsamer Frieden überkam die Crew der Celestial Tear. Trotz der ganzen Gewalt und Zerstörung, hatte dieser Planet eine natürliche Schönheit, die immer erhalten geblieben war.

Der Mond war von einem künstlichen Ring aus angeschleppten Asteroiden geschmückt, die einst von Minenunternehmen ausgeschlachtet wurden, und den Äquator der Erde zierte ein riesiger Weltraumaufzug – eine gigantische Konstruktion, bei der eine Art Seil zu einem künstlichen Gegengewicht im geostationären Orbit führte und in deren Mitte eine große Weltraumplattform angebracht war, die als Schiffsverladestation und mutmaßliches Hauptquartier fungierte. Über all das legte ein zweiter Erdtrabant seinen Schatten, eine bisher unbekannte, sphärische Konstruktion mit beinahe zehn Kilometern Durchmesser – im Letzten Krieg hatte es Gerüchte über ihren Bau gegeben, doch ihre Existenz war bis zu diesem Moment den Scavengern vollkommen unbekannt.

Die Scavenger beschlossen die Flotte der Terranischen Allianz, allen voran die Marduk und ihre zahlreichen Begleitschiffe zu meiden. So tarnten sie die Celestial Tear mithilfe ihrer Stealthsysteme im Schatten des Mondes und flogen mit dem erbeuteten terranischen Shuttle zur Oberfläche der Erde, zur Basis des Weltraumlifts, ins alte, ecuadorianische Quito.

Auf Felix alte Schmugglerfähigkeiten war Verlass. Souverän landete er in einem der Außenbezirke der Stadt und ihre etwa 200.000 Einwohner schöpften scheinbar keinerlei Verdacht. In die erbeuteten Marine-Uniformen der Escrima gekleidet, betraten die Scavenger einen totalitären Staat, mit starker Militärpräsenz und einer verunsicherten Zivilbevölkerung. Die Menschen, denen sie begegneten, waren vollkommen auf Unscheinbarkeit und die Erfüllung ihres Solls fixiert.

So betraten sie, mangels brauchbarer Alternativen, einen unirischen Irish Pub. Der frühen Stunde entsprechend war der Laden entsprechend schwach befüllt. Nur einige wenige Seelen, die gerade ihre Schichten beendet hatten, versuchten hier etwas Ablenkung zu finden. Und als die mutmaßlichen Militärs den Laden betraten, starrten sie übertrieben fasziniert auf ihre leeren Teller und Gläser.

Die Scavenger beschlossen, rollengerecht, mit dem Wirt ins Gespräch zu kommen. Ein sehr junger Mann, der sehr fleißig den letzten Dreck aus einem blitzblanken Glas zu entfernen suchte. Betty übernahm die Initiative und forderte zunächst die Schanklizenz ein. Der Junge, sicherlich erst um die 17 Jahre alt, suchte, vollkommen verängstigt, sämtliche Regale am Tresen ab, bis er schließlich den entsprechenden Zettel fand und hoffte, seine Pflicht getan zu haben. Die Scavenger wichen jedoch vom erwarteten Protokoll ab, als sie den Jungen nach seinem Ausweis fragten.

Mit angstgeweiteten Augen stammelte dieser, er hätte ihn in der Küche liegen und müsse ihn kurz holen. Als er merkte, dass die verkleideten Scavenger ihm folgten, stieß er ein auffälliges, nervöses Husten von sich, bevor er verängstigt die Küche betrat. Diese war erstaunlich aufgeräumt und leer, und erleichtert stellte der Junge fest, dass er seinen Ausweis doch bei sich trug.

Doch die Empathin spürte, dass jemand in der Kühlkammer noch lebte und gab dem Wendigo einen Hinweis. Dieser beschloss eine Hygieneuntersuchung der Kühlkammer vorzunehmen und musste feststellen, dass diese von innen verriegelt war. Er “bat” den Jungen, auf Wendigo-Art, die Kammer zu öffnen. Der Junge verlor schließlich die Fassung und beteuerte unter Tränen, dass er nichts über den Widerstand wisse, und dass er nur ein paar Augenblicke für seinen Onkel die Theke übernehmen sollte.

Auf weiteres Bitten des Wendigos (man schlägt einem Wendigo keine Bitte ab, ohne eine Kompanie im Rücken zu haben) ließ er schließlich die Kammer per Klopfzeichen öffnen. Es kamen zwei ältere, durchgefrorene Herren, mutmaßlich Vater und Onkel des Jungen, zum Vorschein.

Betty bemühte sich nun darum, die Fassade der bösen Militärs fallen zu lassen und ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, doch der Vater des Jungen kam ihr zuvor. Er erkannte Betty als die Tochter der grauen Eminenzen des Widerstands, und fiel ihr tränenüberstürzt um den Hals:

“Oh, Betty, es tut mir so leid. Sie haben deine Eltern.”

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AbEnd

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