The Stars have fallen

Log19

Eine Konversation mit Adonai

Cato stand auf einem steinigen Hügel, auf einem öden Felsplaneten. Der Boden war kahl und trostlos, die Luft eisig. Am Fuße des Hügels stand die XIII. Legion und wartete auf seinen Befehl. Im Hintergrund ragten die Antennen und Kuppeltürme einer Militärbasis der Liga der Freien Welten in die Luft. Ihr flackernder Energieschild machte ein Bombardement zwecklos, doch ihre Eroberung war strategisch notwendig und ein Sturmangriff unausweichlich. Cato hatte ein flaues Gefühl im Magen, doch er wusste, dass es sein musste und so hielt er eine inspirierende Rede und seine Truppen reckten in ihrem Jubel die Waffen empor. Cato setzte sich an die Spitze der Truppen und führte sie direkt zum Angriff auf die feindlichen Stellungen. Das Feuer der Verteidiger empfing sie, Geschosse zischten und pfiffen an Catos Ohren vorbei, bis ihn schließlich ein helles Licht blendete.

Hellwach starrte er auf die offene Tür seiner Kabine, in der Schwertmeister Zeno stand. Er nickte ihm zu und verschwand im Korridor. Es war sechs Uhr morgens, noch vor dem Morgensport, -gebet und Frühstück. Es war Zeit für das vereinbarte Duell.

Cato hatte sich, gemäß der Traditionen der Wendigo, für das Duell nach dem Ritus des Schmerzes entschieden. Er und Zeno würden gegeneinander kämpfen, bis einer von ihnen den Sieg des anderen anerkannte.

Im Dojo des Schiffes begegneten sich die beiden Wendigo mit großem Respekt, doch war ihr Kampf nicht weniger ernsthaft. Dabei gelang es Cato schnell die Oberhand zu gewinnen, und obwohl er den einen oder anderen Schlag einstecken musste, traf er Zeno lähmend am Oberschenkel und brach ihm mit einem gezielten Ellenbogenschlag das Schlüsselbein. Obwohl Zeno bereit war sich, seiner Ehre als Schwertmeister wegen, weiteren Schmerzen auszusetzen, erinnerte Cato ihn auch an seine Pflicht dem Orden gegenüber und so gestand Zeno ihm den Sieg zu.

“Ich erkenne deinen Sieg an, bis zu unserem nächsten Aufeinandertreffen.”
Traditionelles Eingeständnis der Niederlage der Wendigo

Das Wesen des bisher eher distanzierten Schwertmeisters lockerte sich nach dem Duell wesentlich und die beiden Duellanten fanden sich schon bald in einer fruchtbaren Konversation wieder. So tauschte Cato seine vertraute Feuerwehraxt gegen einen soliden und gut gepflegten Anderthalbhänder aus Zenos Waffensammlung ein. Auch empfahl Zeno bei einer zukünftigen Gelegenheit ein Sparring mit der Großmeisterin, diese wäre selbst für Cato eine Nummer zu groß.

Wesentlich interessanter waren jedoch die Erkenntnisse, die Zeno bezüglich Charon Aquila Quintus liefern konnte. So seien sich die beiden vor einigen Monaten auf Apollo, im Olympus-System begegnet. Sie hätten sich duelliert, woraus Zeno eine große Narbe, quer durch sein Gesicht mitgenommen hatte. Charon wollte ihn rekrutieren, doch Zeno weigerte sich den Orden zurückzulassen, da er hier das Gefühl habe, für eine wichtige Sache zu kämpfen. Catos Vater indes schien darauf versessen zu sein, die Wendigo zu einen und für eine gerechte Sache kämpfen zu lassen. Es schien, als würde er Richtung Terra aufbrechen, in Begleitung einer Frau, ähnlich einer von Catos Begleiterinnen – Jingsu. Einer der Komturen des Ordens hatte diese zuvor angeblich als “Inquisitor” bezeichnet. Zeno war jedoch mangels Wissen nicht in der Lage weitere Details zu nennen. Auch eine erneute Audienz bei der Großmeisterin oder den Komturen war höchst unwahrscheinlich, und so musste sich Cato mit diesen Antworten begnügen.

“Die Vorboten der Vernichtung. Der Tod folgt euch in euren Fußstapfen.”
Adonai zu den Scavengern

Nach dem gemeinsamen Frühstück kamen Cato, Betty und Jingsu am Gebetsraum der Großmeisterin vorbei, vor dem sie Tags zuvor auf sie gewartet hatten. Wohl zu Disziplinarzwecken waren zwei junge Novizen zur Wache eingeteilt worden, von denen sich einer prompt, wohl einem problematischem Essen geschuldet, in Richtung der Toiletten entschuldigte. Jingsu, einem plötzlichen Impuls folgend, beschloss herauszufinden, was sich im Gebetsraum befand. Die unerfahrene Wache wurde prompt von Cato abgelenkt, während Jingsu und Betty durch die Tür schlüpften.

Innen fanden sie einen kleinen, schlichten Raum in Marmoroptik, mit einfachen Verzierungen und Kerzen an den Seiten, einer kleinen Gebetsbank in der Mitte und einem steinernen und einfach geschmückten Altar gegenüber der Tür. Wie durch Geisterhand geführt, eilte Jingsu zum Altar, und begann ihn mit ihren Händen abzutasten und zu fühlen. Plötzlich ließ sie ein helles Licht, blendend wie tausend Sonnen, zurücktaumeln und gegen Betty stoßen. Über dem Altar war ein Busch erschienen, lichterloh in Flammen stehend, den kleinen, dunklen Raum erhellend. Die aus dem Nichts stammende Stimme klang tief, metallisch scheppernd und unheilvoll.

“Euer Verstand ist zu beschränkt, um mein Wesen wahrhaftig zu begreifen. Wisset, dass ich der Herr bin. Der Schöpfer und Zerstörer. Der Neuanfang. Die letzte Hoffnung der Menscheit die Diaspora zu beenden und ihre selbst beschworenen Dämonen auszutreiben. Ich bin der Herr. Ich bin Adonai.”
Adonai zu den Scavengern

Adonai erwies sich als eine treibende Kraft hinter dem Tun des Ordens, deren Großmeisterin er als seinen Avatar, den Orden selbst als sein Schwert bezeichnete. Sein ultimatives Ziel schien das Ende der menschlichen Diaspora und die Vernichtung der KI zu sein und er richtete die beiden Scavenger darauf ein, dass sie vor der Wahl stünden ihr Volk in die Erlösung, oder in die Verdammnis zu führen. Für den Empathen hatte er eigene Worte, die wie Donnerschläge in ihrem Kopf hallten. Es spürte Adonais durchdringenden Blick bis in sein Herz eindringen, die ganze Last der Welt auf seinen Schultern liegen, und infernalische Schmerzen seinen Kopf zerreißen.

“Und du, Abtrünnige, wirst dich nicht länger deiner Bestimmung widersetzen. Du wurdest geschaffen zu beobachten und die Wahrheit herauszufinden. Nicht sie zu verstehen.”
Adonai zu Jingsu

So schnell wie sie hereingekommen waren, verließen Betty und Jingsu den kleinen Raum wieder und beschlossen die letzten Tage auf dem Schlachtschiff des Ordens ruhig angehen zu lassen. Ihre erste Priorität war es ihre Beute zurück nach Meridas III zu schaffen.

Der Abschied vom Orden war kurz, aber relativ herzlich. Der Eintritt in die Atmosphäre von Meridas III alles andere als Routine, doch Jingsu bewies erneut seine fliegerischen Fähigkeiten. Nicht nur verhinderte es ein Verglühen in der Atmosphäre, und fand, mit Bettys Hilfe, den Weg zurück nach New Hope, sondern flog auch im Landeanflug stilvoll durch das stählerne Gerippe eines verwüsteten Hochhauses der toten Stadt. Bei ihrem Überflug sah es, dass die Stadt nicht von Excalibur vernichtet worden war, doch marodierende Dinosaurier hatten eine Spur der Verwüstung hinterlassen.

Die Scavenger wurden mit großer Freude willkommen geheißen und fanden sich schon bald im Gespräch mit dem Bürgermeister wieder, den sie auf den neuesten Stand setzten. Auch in New Hope hatte sich einiges getan.

Die Tierwelt des Planeten war in den letzten Tagen wesentlich aktiver als sonst, und die Ernte dieser Saison war vollkommen vernichtet worden, ebenso wie große Teile der äußeren Barrikaden. Auch waren einige der Patroullien nicht mehr zurückgekehrt. Die Vorräte würden nur noch für wenige Wochen reichen, die Lage war alles andere als entspannt.

Zwar hatten sich die Bewohner von New Hope mit denen von God’s Army wiedervereint, und den alten Streit über ihre unterschiedlichen Ideologien größtenteils begraben können, doch waren bereits neue Fronten entstanden.

So war kurz nach Abflug der Scavenger eine Frau namens Mand’schu auf dem Planeten gelandet und in der kurzen Zeit ihrer Anwesenheit, hatte sie eine Botschaft überbracht.
Sie bot Erlösung durch Unterwerfung, und versprach die Rückkehr in das gelobte Land. Eine Antwort erwartete sie bei ihrer Rückkehr in knapp zwei Monaten und sie machte klar, dass es keinen dritten Besuch ihrerseits geben würde.
Es war anzunehmen, dass es sich bei dem gelobten Land um Terra handeln müsste, doch wem man sich zu unterwerfen habe, wurde nur vage mit einer “neuen Ordnung” abgehandelt.

Die Bevölkerung von New Hope hatte sich im Anschluss in zwei Lager aufgeteilt. Diejenigen, die eingeschüchtert durch die Präsenz der erwachten KI Excalibur und die Angriffe der lokalen Fauna waren, befürworteten die Rettung durch die Fremden. Andere hingegen waren nicht bereit ihre Freiheit aufzugeben. Auch die Wendigo waren aufgebracht und erwarteten eine Stellungnahme ihrer Anführer.

Auch die Überlebenden der abgestürzten Kapsel waren in der Zwischenzeit erwachten: Die 17 Jahre alte Jade und der 15-jährige Curtis Jackson, ein junges Geschwisterpaar. Im Gespräch erwies sich, dass sie in ihrer Kindheit mitsamt ihrer Heimatsiedlung von Fremden verschleppt und auf Terra gebracht wurden, wo sie in Fabriken arbeiten und u.a. Waffen herstellen mussten. Eines Tages, nachdem ihre Mutter vor Erschöpfung gestorben war, versteckten sie sich an Bord einer Frachtlieferung und gelangten in den Orbit um Terra, wo sie, gemeinsam mit einigen anderen Aufständischen, ein Schiff kaperten und das Sol-System verließen. Sie wurden dabei verfolgt und beschossen und nur sie beide überlebten die Reise. Das Schiff brachte sie bis nach Meridas III, wo sie schließlich die Rettungskapsel nutzen mussten.

Zum Schrecken der beiden Teenager, beschlossen die Scavenger das Schiff, das sich wohl noch im Orbit befinden musste, zu kapern und möglicherweise auch selbst den Weg nach Terra anzutreten.

Während Rook die weitere Reparatur der Purgatory vorbereitete, nahmen die anderen Scavenger von Jade einen Identifikationskristall entgegen, mit dem sie das Schiff betreten könnten und flogen mit ihrem Mistkäfer-Shuttle erneut in den Orbit. Dort stellten sie jedoch anhand von Antriebssignaturen fest, dass jemand vor ihnen dagewesen war und das Wrack verschleppt hatte. Und zwar in den Orbit von Meridas VI. Zum fliegenden Sarg.

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AbEnd

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